Odyssey vom Autoradio…

Das waren zwei lehrreiche Wochen! Eben mal schnell CarPlay ins Auto bekommen… kann ja nicht so schwer sein. Dachte ich jedenfalls. In jedem Fall würde es teuer werden – so viel war klar. Wenn man nach brauchbaren Autoradios sucht, die CarPlay unterstützen – oder in meinem Fall sogar wireless CarPlay – dann merkt man schnell, dass der Markt hier nicht viel bietet. Und wenn, dann ist es nicht nur teuer, sondern vor allem auch unklar, ob das Gerät im eigenen Auto überhaupt funktionieren wird.

Ich dachte, dass ich mich ganz gut orientiert hatte. Mein Seat Alhambra hat ein brauchbares aber eben auch recht einfaches Radio. Ein wenig Bluetooth hier… ein altes unbrauchbares Navi dort… man kann telefonieren… und etwas Radio hören. Dann ist es aber auch schnell vorbei. Der Bildschirm hat eine schlechte Auflösung, kaum Farben und ist für heutige Verhältnisse recht klein. Es gibt keinen direkten USB Anschluss. Aber immerhin ist eine Rückfahrkamera verkabelt.

Eigentlich will ich doch nur mein iPhone kabellos nutzen, wenn ich ins Auto einsteige. Ohne es extra aus der Tasche holen zu müssen… ein modernes Navi mit aktuellen Staumeldungen und vernünftiger Routenführung… telefonieren… Musik streamen. Einiges davon geht über Bluetooth – aber eben nicht alles. Ohne Apple Maps fahre ich beispielsweise nicht mehr durch die Stadt – zu groß ist das Risiko, in eine neue Baustelle oder einen handfesten Stau zu fahren. Google Maps wäre auch okay… aber in Berlin funktioniert die Variante von Apple meiner Erfahrung nach zuverlässiger und ist aktueller. Aber das ständige “an die Scheibe klemmen” nervt. Wireless CarPlay wäre eine Erlösung. Aber was? 800 € und mehr wollen die dafür? Das ist doch irre… da kann ich mir auch gleich ein echtes iPad ins Auto hängen.

Irgendwann bin ich dann über “Dasaita” gestolpert… bei Reddit… später auch in anderen Foren und natürlich bei Amazon. Ein Gerät auf Basis von Android… gut integriert ins Auto… passt in meinen Doppel-DIN Schacht und kommt mit den vermeintlich richtigen ISO Kabeln. Wireless CarPlay ginge da via App. Der Einbau sei nicht so schwer. Für 400 €… hmm… ich habe 2 Monate lang drüber nachgedacht… Berichte gesucht… gelesen… Anfang Januar habe ich dann zugeschlagen.

Leider kam recht schnell die Ernüchterung. Der Ausbau des originalen Radios lief noch halbwegs gut. Ich hatte ein Video dazu bei YouTube gefunden. Aber dann war schnell das Ende erreicht. Am originalen Radio ein fetter Stecker, der nix mit ISO Standards zu tun hat – nennt sich QuadLock. VW / Seat hat hier seine eigenen Standards. Dazu diverse Coaxial-Kabel… Antennen… GPS… und mehr. Und ein seltsames dickes Kabel mit breitem Stecker. Kein Cinch, wie es beim “Dasaita” mitgeliefert wurde. Nichts hat gepasst. Also hab ich mir ‘nen Adapter gesucht. Den gab’s für knapp 15 € – OK dachte ich… geht ja noch.

Endlich ist alles freigelegt… aber was sind das für Kabel?

Damit konnte ich das Gerät dann endlich anschließen. Es ließ sich booten… der Sound funktionierte. Aber es ging nicht aus, wenn ich die Zündung abstellte. Manuell aus- und einschalten? Hmm… nicht sonderlich bequem. Warum geht das nicht? Beim Adapter war eine winzige Anleitung dabei, die mir nahelegte, eines der Kabel an die Zündung anzuschließen, das noch frei war. Hier sollte das Radio ein Signal bekommen und dann auf die Zündung reagieren. Aber wo schließt man das an? Ich wollte nix kaputt machen und hab versucht, mich erstmal in einem Forum schlau zu machen. Hier gab es recht schnell Hilfe – man braucht einen CANBUS Decoder. CAN-was? Na toll… der nächste Adapter. Bei meinem Seat Alhambra kommt der Zündimpuls nicht klassisch über ein eigenes Kabel sondern wird über ein serielles Interface digital verschickt. Das muss man umwandeln, um es mit fremden Geräten nutzen zu können. Das ganze muss dann passend verkabelt werden… als Laie so eine Sache. Also habe ich ein neues Kabel mit integriertem CANBUS Decoder besorgt. Wieder 25 € weniger.

Jetzt reagierte das Radio auch auf die Zündung. Ging aber gleich ganz aus… nicht in den Schlafmodus. Das nächste Einschalten dauerte dann volle 30 Sekunden und nicht die 2 Sekunden, die ein einfaches WakeUp brauchen sollte. Außerdem war die Uhrzeit vergessen. Na wunderbar! Wenigstens blieben die meisten Einstellungen erhalten. Aber das Gelbe vom Ei ist das nicht. Auch der passgenaue Einbau war so eine Sache… Doppel-DIN? Klar doch… aber da gibt es ja Spielraum. Also musste ich mir als nächstes einen passenden Einbaurahmen suchen, der für eine feste Verankerung sorgt. Nochmal 30 €… aber geschenkt. Am Ende hatte ich alles verkabelt und zusammengeschraubt, so dass ich fast schon euphorisch wurde. Es war eng mit den ganzen Kabeln… aber das Teil sah gut aus. Ich dachte, jetzt hab ich’s…

Es hätte so schön werden können…

Aber was mach ich eigentlich mit der Rückfahrkamera? Ich hatte inzwischen gelernt, dass die aus dem dicken Kabel mit dem sonderbaren Stecker kommt. Aber auch hier kann man nicht einfach ein Video-Signal per Cinch abgreifen und ans “Dasaita” stecken. Nein… hier braucht es wieder einen Decoder! Und wenn man danach sucht, stellt man schnell fest, dass die Geräte bei 30 € anfangen… und bei 200 € aufhören. Eine ziemliche Spanne. Anscheinend auch aus gutem Grund. Die Bewertungen schwanken zwischen “absoluter Schrott” und “leider viel zu teuer”. Also hatte ich mich schon damit abgefunden, auf das Video zu verzichten und den noch funktionierenden Piepser als Maß der Dinge hinzunehmen. Ich wollte nicht noch mal über 100 € drauflegen.

Leider brachte der erste Tag mit dem Gerät dann weitere Ernüchterung. Die Bedienung war teilweise umständlich – für alles gab’s ne eigene App. Die Features waren rudimentär… schön geht anders. Meine Lenkradtasten funktionierten nicht – obwohl der CANBUS Decoder das können soll und ich diverse Einstellungen am Gerät versucht hatte. Auch den Rückwärtsgang bemerkt das Teil nicht und plärrt mit voller Lautstärke weiter – obwohl es für den Piepser eigentlich leiser werden sollte. Die installierten Apps waren veraltet… liefen teilweise gar nicht. Und wer weiß, was da im Hintergrund schon installiert ist?

Aber warum hatte ich das Teil eigentlich gekauft? Ach ja – CarPlay – und zwar kabellos! Und wer ahnt es schon? Auch das konnte ich nicht zum laufen bringen. Weder per USB Kabel noch ohne ein solches. MirrorLink, um das iPhone auf das Display zu spiegeln? Nix da… geht auch nicht. Zwar ist die App drauf – sie funktioniert aber nicht. Ob’s an iOS 13 liegt oder ein grundlegendes Problem ist, weiß ich nicht. Auf Nachfrage beim Hersteller heisst es dann, dass ich für CarPlay noch mal ein extra Dongle kaufen müsste – wieder 80 €. Aber hallo? Das Gerät wird doch eigens mit CarPlay Support vermarktet?! Jaa… aber doch nicht “out of the Box”. Ich weiß nicht mal, ob ich das Kabel noch untergebracht hätte… da war nicht mehr viel Platz. Auf jeden Fall war mir das dann echt zu viel. Zu viele Umstände… zu viele Kompromisse… zu viele Einschränkungen… zu wenig Komfort. Also habe ich das alles nach dem ersten Tag und zwei Wochen Tüftelei wieder zurückgebaut und erst mal aufgegeben. Das Gerät ist auf dem Weg zurück – wenigstens gab’s von Anfang an 4 Wochen Rückgaberecht.

Aber der Wunsch nach mehr Komfort ist noch immer da. Ich habe viel gelernt… und bin wieder am Suchen. Vielleicht so ein “Neotone“? Das scheint gleich die richtigen Anschlüsse am Gerät zu haben… aber auch hier gibt es wieder unterschiedliche Aussagen beim Thema CarPlay… vielleicht sollte ich doch besser die Finger davon lassen…

Fortsetzung folgt…

Update vom 29.01.2020…

Ich habe mich inzwischen für ein RCD 330 entschieden… ein direkt von VW selbst verbautes Gerät, das eigentlich für den chinesischen Markt gedacht ist. Es unterstützt von Haus aus Apple’s CarPlay (per Kabel) und Android Auto, spricht Bluetooth und verbindet sich direkt über QuadLock auch mit meinem Seat Alhambra (7N). Meine originale Rückfahrkamera kann ich vermutlich nicht direkt verkabeln… aber das nehme ich in Kauf. Dafür sollen die Lenkradtasten und auch die klassische optische Einparkhilfe ohne weitere Adapter unterstützt werden. Das Gerät kann direkt mit dem CANBUS des Seat sprechen – oder soll dies zumindest tun.

Das RCD 330 von vorne…
…und von hinten.

Nachher wird es eingebaut… ich bin gespannt!

Der Einbau war problemlos…

Voila… geht doch! Der Einbau hat mich nur wenige Minuten gekostet und schon sitzt alles, wo es sitzen soll. Keine unnötigen Adapter – passgenaue Form – alles top. CarPlay geht auf Anhieb, die Lenkradtasten funktionieren, beim Rückwärtsgang springt die Einparkhilfe an und zeigt visuell den Abstand. Auch mit dem Sound bin ich zufrieden. Das Radio funktioniert… genauso Bluetooth. Es gibt ein paar wenige aber ausreichende Einstellungen. Was will man mehr?

Entschuldigt die schlechte Beleuchtung…

Einziger Wermutstropfen im Moment: die fehlende Rückfahrkamera sorgt noch dafür, dass beim Rückwärtsgang nach wenigen Sekunden aus der Ansicht gesprungen wird, wenn man nicht schnell genug auf die grafische Darstellung umschaltet. Vielleicht kann ich die noch zum Standard machen, bis ich eventuell doch noch die Kamera verkabelt bekomme.

Also wenn man schon das Radio wechselt, dann sollte man besser beim Hersteller bleiben. Lessons learned!